Die Neusiedler Seebahn AG nach dem Ende der Österreichisch-ungarischen Monarchie

BaMot 701 am Bahnhof Pamhagen. (Foto: 1993, Sammlung ROeEE AG)
ABbmot 14 auf der Neusiedler Seebahn AG. (Foto: 1971, Sammlung ROeEE AG)
Rübenzug bei der Eisenbahnkreuzung in Mönchhof. (Foto: 1992, Sammlung ROeEE AG)
Der Bahnhof Gols nach Neubau. (Foto: Mai 1997, Halwax)
BaMot 701 am alten Bahnhof Gols. (Foto: Mai 1987, Halwax)
Triebwagen 5147 der ROeEE AG Richtung Pamhagen am Bahnhof Gols. (Foto: 1997, Gassmann)

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges, laut den Friedensverträgen von Saint Germain und Trianon, fiel ein Teil der Neusiedler Seebahn AG (37,829 km Strecke sowie 9 Stationen) an Österreich. Die neue Grenze zwischen Österreich und Ungarn verlief nun zwischen den Bahnstationen Pamhagen und Mekszikopuszta (heute Fertöujlak). Im Herbst 1921 wurde die Teilstrecke Pamhagen-Neusiedl/See seitens Österreichs in Besitz genommen und am 21. Dezember 1921 wieder der Personen- und Güterverkehr bis Pamhagen eingerichtet.

Am 24. Juli 1923 traten die Verordnungen für die österreichische Teilstrecke der ROeEE AG und der Neusiedler Seebahn AG in Kraft. Der Betrieb der Neusiedler Seebahn AG wurde wieder an diese zurückgegeben und der Verkehr seitens der ROeEE AG wieder aufgenommen. Ab Oktober 1924 gab es wieder durchgehende Züge von Wien Ostbahnhof nach Eszterháza (heute Fertöszentmiklós), wobei in Parndorf der Lokomotivwechsel erfolgte.

Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges gelangte der ungarische Streckenteil zu großer Wichtigkeit. Die Bauxitlieferungen aus Ungarn liefen über Celidömölk-Eszterháza nach Ödenburg und von dort zu den Flugzeugwerken des Dritten Reiches.

Im Herbst und Winter 1944 erfaßten die Kriegsereignisse auch die Bahn. Der Bau des Südostwalls, mit dem die deutschen Truppen das rasche Vordringen der Sowjettruppen an der Reichsgrenze stoppen wollten, brachte der Strecke verstärkten Zugverkehr. Wegen der Luftangriffe auf Eisenbahnknotenpunkte wurden immer öfter Militärtransporte auf die Neusiedler Seebahn umgeleitet. Das Vorrücken der Front zu Jahresbeginn 1945 belebte nochmals den Verkehr.

Nach dem Krieg beschloß die sowjetische Führung die Linie Celidömolk-Eszterháza-Ödenburg als die am schnellsten wiederherstellbare Linie befahrbar zu machen. Im Frühjahr 1946 konnte der Abschnitt Neusiedl-Pamhagen für Militärtransporte hergestellt werden und am 4. Juni 1946 setzte wieder der zivile Personenverkehr ein. Der Zugverkehr zwischen Österreich und Ungarn konnte erst nach der Instandsetzung der gesprengten Brücke über den Einser Kanal im Frühjahr 1947 wieder aufgenommen werden.

Die Nachkriegsjahre waren gekennzeichnet von wiederholten Verkehrseinstellungen wegen Kohlenmangels, bis Anfang der 50er Jahre die Rübentransporte einen neuerlichen Aufschwung brachten.

Der Personenverkehr über die Grenze hinweg wurde am 22. Mai 1955 eingestellt. Seither diente der Grenzübergang nur mehr dem Güterverkehr nach Ungarn, obwohl fast alle Personenzüge leer bis Fertöszentmiklós geführt wurden.

In den darauffolgenden Jahren nahm der Personenverkehr auf dem österreichischen Streckenabschnitt immer mehr ab, so daß in den 70er Jahren von einer Stillegung der Bahn gesprochen wurde. Aber auch auf dem ungarischen Abschnitt der Neusiedler Seebahn verlor der Verkehr in den 60er- und 70er Jahren durch Verlegung des Personen- und Güterverkehrs auf die Straße zunehmend an Bedeutung. Daher entschloß sich die ungarische Regierung die Strecke Celidömölk-Fertöszentmiklós am 26. Mai 1979 zu schließen und abzutragen.

Auf der für den Raum Seewinkel so wichtigen Bahn von Neusiedl nach Pamhagen kam es aber zu keiner Einstellung. Seit 1973 gibt es wieder über gesonderte Bewilligungen einen grenzüberschreitenden Personenverkehr für Gruppenreisen und Oldtimer-Fahrten über den Grenzübergang Pamhagen-Fertöuylak.

Das Angebot an Reisezügen beschränkte bis Mitte der 80er Jahre auf 4 Zugspaare zwischen Neusiedl/See und Fertöszentmiklós.

Bis zum Mai 1979 fuhren die Züge der Neusiedler Seebahn AG von Pamhagen kommend bis nach Parndorf, wo Anschluß an die Züge von und nach Wien-Süd (Ostseite) bestand. Mit Fahrplanwechsel am 27. Mai 1979 wurde die Parndorfer Schleife mit der Haltestelle Parndorf Ort eröffnet. Ab diesem Zeitpunkt war es möglich, von Wien nach Neusiedl/See ohne "Stürzen" in Parndorf zu fahren. Bis zum Herbst des Jahres 1979 verkehrten noch die Züge der Neusiedler Seebahn AG bis zur Haltestelle Parndorf Ort.

Während der Sommermonate wurde das Teilstück Parndorf Ort (Abzweigung von der Ostbahn) nach Neusiedl/See elektrifiziert, so daß mit 30. September 1979 auf dieser Strecke der elektrische Betrieb aufgenommen werden konnte und die Garnituren der Neusiedler Seebahn AG nur mehr bis und ab Neusiedl/See verkehrten, wo ab diesem Zeitpunkt der Anschluß an die neugeschaffene Schnellbahnlinie S 60 im Stundentakt von und nach Wien bestand.
Anfang der 80er Jahre begann die Geschäftsführung der ROeEE AG mit der Sanierung der Gleisanlagen auf der Neusiedler Seebahn. Man erhoffte sich ein verstärktes Güteraufkommen von den in den letzten Jahren entlang der Strecke angesiedelten Lagerhäusern und auch von den Betrieben im Seewinkel, wenn mit höherem Achsdruck und höherer Geschwindigkeit gefahren werden kann.

Durch die Erschließung des Seewinkels als Erholungsgebiet nahm auch der Personenverkehr wieder einen leichten Aufschwung. Seit 1985 wird der Zugverkehr auf der Strecke Neusiedl/See-Pamhagen im Zugleitbetrieb durchgeführt. Die Einbeziehung der Strecke in den Verkehrsverbund Ost-Region am 1. September 1988 hat dann aber den großen Aufschwung gebracht. Erstmals seit Mai 1949 wurden wieder Eilzüge von Pamhagen bis Wien-Süd geführt und ermöglichten damit vielen Pendlern aus dem Seewinkel täglich von Ihrer Arbeitsstätte in Wien zur Familie nach Hause zu fahren.

In den vergangenen Jahren wurden von der Geschäftsführung der ROeEE AG weitere Gelder in Streckenausbau investiert und gefährliche unbeschrankte Bahnübergänge mit Warnlichtanlagen ausgestattet.

Nach Änderung der politischen Lage und Öffnung der Grenzen zu Ungarn wurde nach 35 Jahren am 27. Mai 1990 der öffentliche Personenverkehr wieder über den Grenzübergang Pamhagen aufgenommen. Seither kann man auch wieder im Regelbetrieb bis Fertöszentmikós fahren und die Züge halten auch wieder in den Bahnhöfen Fertöujlak, Sarród und Fertöszeplak-Fertöd.