Dampflokomotiven im Montafon

Trotz des elektrischen Betriebes kamen gelegentlich Dampflokomotiven ins Montafon, so 1906 wegen der ungenügenden Stromlieferung des bahneigenen Werkes und nach den verheerenden Hochwassern in den Jahren1910 und1911.

Nach der Elektrifikation der Arlbergbahn besorgten zunächst Dampflokomotiven der Bundesbahnen die Traktion der MBS-Züge im Bahnhof Bludenz.

Die große Nachbarbahn stellte diese Lokomotiven problemlos, verrechnete dafür aber horrende Kosten.

Mit der Aufnahme des Eigenbetriebes wurden Rauchwolken über den MBS-Gleisen seltener.

Dafür gab es ab 1926 im Zusammenhang mit dem Kraftwerkbau eine Materialbahn Tschagguns - Partenen, eine Dampfbahn mit 760 mm Spurweite, auf der sogar ein beschränkt-öffentlicher Personenverkehr durchgeführt wurde. Mittels Rollschemeln beförderte sie Normalspurwagen zu den Kraftwerkbaustellen.

Nachdem sie riesige Transportaufgaben erfüllt hatte, ist diese Bahn leider anfangs der sechziger Jahre abgebrochen worden.

Auch für den Verschiebedienst auf den normalspurigen Anschlußgleisen besaßen die Vorarlberger Illwerke eine eigene Dampflokomotive, die gelegentlich auch auf der MBS aushalf.

1970 wurde mit einem historisch zwar wenig überzeugenden, sich aber bald großer Beliebtheit erfreuenden Dampfzug das touristische Angebot im Montafon erweitert.

Hiefür wurde von den ÖBB die Naßdampf-Tenderlokomotive 92.2231 übernommen und mit der alten kkStB-Nummer 178.84, als die sie 1909 in Betrieb gesetzt worden war, zusammen mit Zweiachs-Personenwagen eingesetzt.

Der Wagen Ci 1 von 1927 wurde zum Buffetwagen umgestaltet. Nach einem Unterbruch um 1980 ist dieser Dampfzug nicht nur jeden Sommer im Montafon, sondern hin und wieder bei Jubiläen, für Fernsehaufnahmen usw. auch außerhalb der MBS im Einsatz.

Mitunter war man um diese Lokomotive auch im Güter- und Dienstzugseinsatz froh, vor allem wenn für außergewöhnliche Transporte die Fahrleitung abgeschaltet werden mußte oder Schwertransporte in nicht elektrifizierte Anschlußgleise zu verbringen waren. Wegen eines Kesselschadens wurde die Lokomotive Ende 1992 ausgemustert und im Jahr 1996 ins Technische Museum nach Wien überstellt.

Heute besorgt die von den Kölner Verkehrsbetrieben angekaufte Diesellokomotive V10.016 ihren Dienst in nicht elektrifizierten Anschlußbahnen und fallweise auch im Güterzugsdienst.

Auslöser für diesen Dampfzugsbetrieb waren übrigens Filmaufnahmen im Frühjahr 1968, als ein mit Panzerattrappen beladener und mit der Lokomotive 93.1340 geführter Zug in voller Fahrt zum Entgleisen gebracht und in den Illfluß gestürzt wurde. Man hatte nicht versäumt, vorher einige Nostalgiezugseinsätze zu leisten.

In den letzten Jahren kamen weitere Sonderzugseinsätze mit fremden Dampflokomotiven vor, so1984, als die damals in Rapperswil stationierte französische Großlokomotive 141 R1244 des Clubs "Mikado" ins Montafon kam.