GKB-Dampflokomotive 56.3115

Oben und Unten: Die Dampflokomotive 56.3115 in der Remise Graz-Köflacherbahnhof. (Foto: Franz Zöhrer)

Dampflokomotive 56.3115 nach dem ”Jahrhundertschneefall“ am 11.2.1986 vor der Remise Graz Köflacherbahnhof (Foto: Gottfried Aldrian)

Allgemeine Angaben

Baujahr:

1914 bis 1919

Achsanordnung:

1D-n2

Zylinder-Ø:

540/800 mm

Kolbenhub:

632 mm

Länge über Puffer:

17700 mm

Gesamtachsabstand:

6800 mm

Treibrad-Ø:

1258mm

Laufrad-Ø:

870 mm

Dienstgewicht:

68,1  t

Reibungslast:

57,0 Mp

Kesselüberdruck:

13 kp/cm²

Verdampfungsheizfläche:

227 m²

Rostfläche:

3,9 m²

Wasservorrat:

16 m³

Kohlvorrat:

8,5 t

Höchstgeschwindigkeit:

60 km/h

Lieferer:

Wiener Lokomotivfabrik AG, Werk Wien Floridsdorf:  56.3115

Dampflokomotive 56.3115 bei der Ausfahrt aus dem Rosentaler Tunnel zwischen Bärnbach und Köflach (Foto: Sepp Tezak)
Dampflokomotive 56.3115 in der Remise Graz Köflacherbahnhof (Foto: Franz Zöhrer)

Den Verinszielen der ”Steirischen Eisenbahnfreunde“ entsprechend, wurde aus dem Bestand der GKB die Dampflokomotiven neben der ”671“ die ”56.3115“ ausgewählt, um beide Maschinen recht lange als würdige Vertreterinnen altösterreichischer Lokomotivbaukunst und Eisenbahngeschichte der Nachwelt betriebsfähig zu erhalten.

Auch die ”56.3115“ entstammt einer berühmten österreichischen Lokomotivfamilie. Die Maschinen dieser Baureihe wurden von Dr.Ing. h.c. Karl Gölsdorf, zuletzt Sektionschef in der Generaldirektion der k.k. österreichischen Staatsbahnen, dem wohl fruchtbarsten Lokomotivkonstrukteur aller Zeiten, konstruiert und ab 1897 über 20 Jahre hindurch in ihrer ursprünglichen wohldurchdachten Form von allen namhaften österreichischen Lokomotivfabriken hergestellt. Die ”k.k. österreichischen Staatsbahnen“ beschafften sie als Reihe 170 mit einer Stückzahl von 796 und die ”k.k. privilegierte Südbahngesellschaft“ weitere 54 Exemplare, sodaß sie zur meistgebauten österreichischen Lokomotivreihe gehörte. Sie bewährte sich ausgezeichnet, wurde schlechthin zur Kriegslokomotive Österreichs im Ersten Weltkrieg, aber auch zur verwendbarsten Type auf allen Strecken und mit allen Zugarten. Diese Maschinen schleppten österreichische und internationale Schnell- und Expreßzüge über Österreichs Alpenpässe genauso wie 1400 Tonnen-Kohlenzüge durch die Ebenen Galiziens und die übrigen Flachlandregionen der Monarchie. Die ersten für den Arlberg bestimmten Lokomotiven halten die zylindrischen Prüßmannschlote, die späteren Nachlieferungen waren mit dem Kobelschornstein der Bauart Rihosek ausgestattet. Die Südbahnlokomotiven besaßen ebenfalls Rundkamine und im übrigen eine etwas von den Staatsbahnmaschinen abweichende Kesselausrüstung.

Da diese Lokomotiven auf dem gesamten Reichsgebiet der Doppelmonarchie eingesetzt waren, blieben die meisten infolge der neuen Grenzen nach dem Ende des Ersten Weltkrieges im Ausland zurück und wurden von den dort neugegründeten Bahnverwaltungen übernommen. Der im klein gewordenen Österreich verbliebene Rest wurde von den Österreichischen Bundesbahnen unter Beibehaltung der Staatsbahn- und Südbahnnummern in deren Bestand eingereiht. Im Jahre 1938, als der ÖBB-Fahrpark der Deutschen Reichsbahn einverleibt wurde, wurden sie diesem Reihen- und Nummernschema als 56 3101 - 3309 zugeordnet. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren davon nur mehr wenige vorhanden, wovon die letzte 1969 als Museumslokomotive im Tauschwege der CSD übergeben wurde.

Auf Grund der zunehmenden Kohlenförderungen in den Nachkriegsjahren wurden die Güterzüge der GKB immer länger und schwerer, weshalb stärkere Maschinen beschafft werden mußten. Ab 1948 kamen von den Österreichischen Bundesbahnen u.a. auch solche der Reihe 56 leihweise zur GKB. Später wurden diese Lokomotiven gekauft, sodaß bis 1956 insgesamt 16 Stück dieser beim Personal recht beliebten Maschinen in das Eigentum der GKB gelangten und bald darauf den gesamten Güterzugdienst auf den GKB-Strecken besorgten, aber auch vielfach für die Beförderung schwerer Personenzüge herangezogen wurden. Rund 20 Jahre prägten diese imposanten Lokomotiven mit dem charakteristischen Verbindungsrohr zwischen den Dampfdomen den Dampfbetrieb bei der GKB, bis sie dann von den schweren Kriegslokomotiven des Zweiten Weltkrieges, der DR-Baureihe 52/152 abgelöst und verdrängt wurden.

Eine dieser Zweizylinder-Naßdampfverbundlokomotive mit einer Vorlaufachse und vier gekuppelten Achsen (Kurzformel 1 D-n2v) und dreiachsigem Tender war unter Fabriksnummer 2180/1914 von der Wiener Lokomotivfabriks-AG. Wien Floridsdorf als 170.133 für die ”k.k. österreichischen Staatsbahnen“ gebaut und nach der Auslieferung der k.k. Staatsbahndirektion Innsbruck für die Heizhausleitung Landeck zugeteilt worden, wo sie zweifellos für den Rampendienst auf der Arlbergstrecke verwendet wurde. In der Zwischenkriegszeit gehörte sie dem Bestand der Heizhausleitung Graz an, wurde dann von der Deutschen Reichsbahn übernommen und zur 56 3315 (ohne Punkt zwischen Reihen- und Inventarnummer umgezeichnet, sowie dem Bestand der Reichsbahndirektion Wien zugeordnet. Das Ende des Zweiten Weltkrieges erlebte sie im Bahnbetriebswerk St. Pölten. Nun wieder dem Fahrpark der ÖBB zugehörig, behielt sie die vorhandene Betriebsnummer, doch wurde der ”Punkt“ wieder eingesetzt. Als 56.3115 kam sie am 6.12.1951 zur GKB, wo sie zunächst mit Prüßmannschlot im Einsatz stand. Gegen Ende ihrer Regeldienstzeit erhielt sie auf Wunsch vieler Eisenbahnfreunde einen Kobelkamin ohne Funktion. Vorwiegend im Sonderzugeinsatz beförderte sie sogar einmal eine Garnitur ISG-Pullmanwagen über den Wechsel und den Semmering.

Auch diese Lokomotive mußte zweimal, 1978 - 1981 und 1991, in der GKB-Werkstätte Graz hauptuntersucht werden, um sie ständig für Sonderfahrten und diverse Veranstaltungen verfügbar zu haben. Alle notwendigen Arbeiten waren der GKB-Verwaltung durch die freiwillige unentgeltliche Mitarbeit GKB-Bediensteter und Vereinsangehöriger, sowie durch eine rege Spendentätigkeit ermöglicht worden. So konnte die Maschine an vielen Jubiläumsveranstaltungen im Bundesgebiet und im benachbarten Ausland - wie z.B. in Straßhof (1987) und im slowenischen Celje (1997) - teilnehmen.

Dank der ”Steirischen Eisenbahnfreunde (StEF)“ und der verständnisvollen, sowie dem Nostalgiegedanken aufgeschlossenen GKB-Bahnverwaltung ist zu hoffen, daß die ”671“ und die ”56.3115“ weitere Kesselperioden betriebsbereit und damit lebende Zeugen berühmter österreichischer Lokomotivkonstrukteure verbleiben.