Umfahrung Melk

Eine DB-Lok der Reihe 103 mit InterCity bei der Ausfahrt aus dem Bahnhof Melk. (Foto: 21. Mai 1998, Gerhard Obermayr)
Die bestehende Westbahn und damit der Bahnhof Melk wird über diese 274 m lange Zufahrtsbrücke an die viergleisige Neubaustrecke angebunden. Im Hintergrund ein Regionalzug auf der Neubautrasse Richtung Melk fahrend. (Foto: 21. Mai 1998, Gerhard Obermayr)
Die 145 m lange Hauptbrücke der Umfahrung Melk (Tunneltrasse) von unten. (Foto: 21. Mai 1998, Gerhard Obermayr)
Das West-Portal des noch im Bau befindlichen Wachbergtunnels der Umfahrung Melk. (Foto: 21. Mai 1998, Gerhard Obermayr)
Blick auf den bereits abgetragenen Gleiskörper der alten Trasse. Rechts das West-Portal des Wachbergtunnels der Umfahrung, links der Anfang der bereits fertiggestellten Hauptbrücke. Im Hintergrund ist das Stift Melk zu sehen. (Foto: 21. Mai 1998, Gerhard Obermayr)
Blick vom West-Portal des Wachbergtunnels auf die neue Trasse, rechts ein Regionalzug von der Zufahrtsbrücke kommend. (Foto: 21. Mai 1998, Gerhard Obermayr)

Neubauabschnitt Melk ein Meilenstein

Die Neubaumaßnahmen im Bereich Melk stellen einen wesentlichen Meilenstein zur Leistungserhöhung der Westbahn sowie einen wichtigen Bestandteil der künftigen viergleisigen Westbahn Wien - Wels dar. Der Baubeginn erfolgte im Mai 1994.

Der neue Streckenabschnitt

Er ist insgesamt 12,1 km lang und zweigt - von Ost nach West gesehen - unmittelbar nach Roggendorf in einem leichten Bogen von der bestehenden Westbahn in Richtung Süden ab und führt durch den 1 km langen Wachbergtunnel. Danach wird dieser neue zweigleisige Abschnitt mit der Westautobahn gebündelt. Nach 1,2 km führt die neue Bahnstrecke in den 1,8 km langen Melker Tunnel. Am westlichen Portal gelangt die Hochleistungsstrecke etwa 1,5 km westlich des Bahnhofes Melk direkt über der Bundesstraße B 1 ins Freie.

Straße und Melk Fluß werden auf einer Brücke überquert. Die bestehende Westbahn wird in diesem Bereich an die Neubaustrecke herangeführt und verläuft in weiterer Folge viergleisig in einem weiten Bogen nördlich an der Ortschaft Bergern vorbei. Einen Kilometer vor dem Bahnhof Pöchlarn erreicht die Neubaustrecke die Trassenlage der bestehenden Westbahn.

Der zweigleisige Teil der Neubaustrecke bilden zusammen mit den verbleibenden zwei Gleisen der Westbahn zur Anbindung des Bahnhofes Melk die Viergleisigkeit in diesem Bereich.

Zwischen den Melk-Brücken und dem Bahnhof Pöchlarn wird die bestehende Westbahntrasse aufgelassen, rekultiviert und durch die viergleisige Neubaustrecke ersetzt.

Projektbeschreibung

Der Neubauabschnitt der Westbahn bei Melk setzt sich aus 6 Baulosen zusammen.

Umbau der Autobahnanschlußstelle Melk (Baulos 2):

Dieses Baulos umfaßt die Vorbereitungsarbeiten für den Wachberg Tunnel und den Melker Tunnel sowie für den dazwischen liegenden Einschnitt.

Dazu zählen der Bau von 4 Straßenbrücken, die Verlegung der Bundesstraße B 3a, der Landesstraße L 5340 sowie Auf- und Abfahrtsrampen der Westautobahn (Richtungsfahrbahn Salzburg).

Durch diese Maßnahmen wird eine Verkehrsbündelung erzielt. Der Verlauf der neuen Bahnstrecke erfolgt unmittelbar neben der Westautobahn.

Weiters wird im Rahmen dieses Bauloses auch der Voreinschnitt für die Bahntrasse in diesem Bereich hergestellt und ein Ableitungskanal (für die Abführung der Oberflächenwässer aus dem Einschnittsbereich) zum Pielach Fluß errichtet.

Dieser rund 1,3 km lange Kanal trägt auch zur Minimierung der Hochwassergefahr für Melk bei, da er gleichzeitig bei zuviel Wasserführung des Weyerbaches die Ableitung dieser Mehrmengen vornimmt.

Brücken über den Fluß Melk und die B1 (Baulos 4):

Dieses Baulos umfaßt die Errichtung von zweigleisigen Eisenbahnbrücken. Für die aus dem Melker Tunnel kommende zweigleisige Neubaustrecke wird eine 145 m lange Hauptbrücke errichtet.

Die bestehende Westbahn und damit der Bahnhof Melk werden über eine 274 m lange Zufahrtsbrücke an die viergleisige Neubaustrecke angebunden.

Viergleisige Neubaustrecke Melkbrücken-Pöchlarn (Baulos 6):

Dieser Teil des neuen Abschnittes führt von den Melkbrücken als viergleisige Neubaustrecke - fast ausschließlich in Dammlage - bis etwa 1 km vor den Bahnhof Pöchlarn, wo er in die Bestandstrasse mündet.

Im Verlauf dieses Bereiches werden Dammschüttungen, 13 Brücken für Bahn und Straßen, Gerinneverlegungen, Lärmschutz-Einrichtungen sowie umfangreiche bahnspezifische Maßnahmen errichtet.

Wachberg Tunnel, Melker Tunnel (Baulos 3):

Dieses Baulos umfaßt die Errichtung der beiden Tunnel - den 1,8 km langen Melker Tunnel und den 1 km langen Wachberg Tunnel - sowie den dazwischen liegenden Einschnitt mit einer Länge von 1,2 km.

Weiters wird im Rahmen des Neubauabschnittes bei Melk eine Ersatzwasserversorgung für die Gemeinde Schollach (Baulos 1) errichtet.

Schließlich zählt auch der Anschwenkbereich Ost (Baulos 5) im Bereich Roggendorf zu dem Bauvorhaben.

Umweltorientierte Baumaßnahmen

Schon bei den Planungen waren Umweltaspekte berücksichtigt worden. So ist man im Bereich Melk Landschaftsschutzgebieten durch das Bündeln der Trasse mit der A1 ausgewichen. Insgesamt wird sich durch die neue Bahn die Lärmsituation im Raum Melk gegenüber dem gegenwärtigen Stand verbessern.

Selbstverständlich wird auch bei den Baumaßnahmen für die Umfahrung Melk Rücksicht auf die Natur genommen.

So werden nach der Auflassung der bestehenden Westbahn und der Ablösung durch den neuen Abschnitt die betreffenden Bereiche der Natur zurückgegeben. Die Auswirkungen auf die Natur, die während der Bauarbeiten notgedrungen entstehen, werden ausgeglichen. Rekultivierung und Landschaftspflege haben enormen Stellenwert.

Zwischen Melk und Pöchlarn etwa wird es umfangreiche Aufforstungsflächen und Aufpflanzungen geben, das Gelände wird zum Großteil wieder zu jener Au, die es vor dem Kraftwerksbau bereits war. Mit der Rekultivierung wurde im Frühjahr 1996 begonnen. Bis Sommer 1997 war der Großteil bereits abgeschlossen. Das bestehende Begleitgerinne neben der Donau, das während der Bauarbeiten an einigen Stellen verlegt werden muß, wurde naturnah gestaltet.

Bauablauf: Rücksichtnahme auch auf Reiherkolonie

Die Umweltverträglichkeit der Neubaustrecke stand bei den ganzen Planungsarbeiten im Vordergrund. Im Raum Melk hatte man es allerdings auch mit einer weiteren ganz besonderen Umweltschutzmaßnahme zu tun:

In den Melker Auwäldern lebt die westlichste bekannte Graureiherkolonie. Man wollte die selten gewordenen Reiher nicht aus den Auwäldern vertrieben wissen. Fazit: Bei den Bauarbeiten zum Baulos 4 mußte auch auf die Lebensgewohnheiten der Graureiher Rücksicht genommen werden.

Der Bauablauf wurde folglich auf die Lebens- und Brutgewohnheiten der Reiher abgestimmt. Während der Brutzeit der Graureiher ruhten im Schutzbereich die Arbeiten an der neuen Bahnstrecke.

Ein Ornithologe überwachte zusätzlich und begleitend das Verhalten der Tiere. Die Maßnahmen haben sich bewährt, die Reiher sind in den Auwäldern geblieben.

Technische Daten

  • Gesamtlänge:    12,1 km davon 2,8 km Tunnel
    Gesamtkosten:    2,97 Milliarden (Preisbasis 1. 1. 1995)
    Baubeginn:    Mai 1994
    Gesamtfertigstellung:    voraussichtlich 2000