Ausbau zur viergleisigen Westbahn St. Pölten - Prinzersdorf
Die Magistrale Westbahn
Eine wesentliche Voraussetzung zur Erfüllung der österreich- und europaweit steigenden Marktbedürfnisse ist das Vorhandensein von Verkehrswegen mit hoher Leistungsfähigkeit. Zweifellos kommt im Zusammenwirken der verschiedenen Verkehrs- und Transportsysteme der Bahn eine tragende Rolle zu. Denn die Infrastrukturpolitik hat sowohl der Nachfrage zu entsprechen, als auch den Zielsetzungen aus den Bereichen Umwelt, Energie und Raumordnung zu folgen. Gerade diesen Zielen wird die Bahn in besonderem Maße gerecht.
Aus- bzw. Neubaumaßnahmen an den Eisenbahnmagistralen Österreichs sind nicht nur eine logische Konsequenz einer umweltorientierten Verkehrspolitik, sondern ergeben sich auch aus einer Reihe internationaler, nationaler und regionaler Ansprüche bzw. Vorgaben.
Das Hauptnetz wurde national in den Rang von Hochleistungsstrecken erhoben, um den wachsenden Anforderungen des Marktes zu entsprechen. Diese österreichischen Hauptstrecken sind gleichzeitig auch wichtige Bestandteile der transeuropäischen Eisenbahnnetze.
Die Westbahn ist eine der Magistralen. Als eine zu einem Großteil aus dem vorigen Jahrhundert stammende Verbindung ist sie bereits in einigen Abschnitten bis an ihre Kapazitätsgrenze ausgelastet und kann dort keine zusätzlichen Verkehrsangebote verkraften. Somit sind auch auf der West-Ost-Magistrale Maßnahmen zur Erhöhung der Leistungsfähigkeit unabdingbar.
Als im August 1993 der HL-AG die Planung für die viergleisige Westbahn im Abschnitt Wien - Wels zur Planung übertragen wurde, konnte sofort auch mit den Planungen für den Umbau des Bahnhofes Prinzersdorf begonnen werden. Die Planungstätigkeiten für den Bereich St. Pölten - Prinzersdorf waren zu diesem Zeitpunkt schon weit fortgeschritten und die eisenbahnrechtliche Bauverhandlung für dieses Vorhaben konnte im November 1994 mit einem positiven Verhandlungsergebnis abgeschlossen werden.
Mittlerweile wurde nach Abschluß der Planungen für den Bahnhofsumbau Prinzersdorf im März 1996 ebenfalls die eisenbahnrechtliche Bauverhandlung durchgeführt, sodaß ein gemeinsamer Baubeginn beider Projekte im Frühjahr 1997 erfolgen konnte. Ein Vorziehen von baulichen Maßnahmen im Bereichsstück St. Pölten - Prinzersdorf hätte zu einem verlorenen Bauaufwand für ein Einbindungsprovisorium in den bestehenden Bahnhof geführt.
Um auch am östlichen Projektsende im Abschnitt St. Pölten - Prinzersdorf den Planungsspielraum für den Umbau des Bahnhofes St. Pölten nicht einzuengen, ist vorgesehen, das Baulos 1 (Eisbergbogen) erst zu einem späteren Zeitpunkt zu beginnen.
Das Vorhaben St. Pölten West - Bahnhof Prinzersdorf, stellt gemeinsam mit der Güterzugumfahrung St. Pölten die in diesem Bereich erforderlichen Maßnahmen für den Ausbau zur viergleisigen Westbahn dar. Der etwas mehr als 6,2 Kilometer lange Abschnitt St. Pölten West - Bahnhof Prinzersdorf teilt sich in drei Baulose (Baulose 2-4) und beginnt ostseitig im Bereich der Wirtschaftswegunterführung Waitzendorf und endet am Westkopf des Bahnhofes Prinzersdorf vor der Brücke über den Pielachfluß.
Der Abschnitt umfaßt somit auch den Umbau des bestehenden Bahnhofes Prinzersdorf. Dabei werden die beiden Weichenköpfe so umgebaut, daß eine "schnelle Einfahrt" auf die Überholgleise für sämtliche haltende Züge erfolgen kann. Dies führt zu einer Verbesserung der Streckenkapazität und erleichtert allfällige Überholvorgänge. Weiters wird der Bahnhof sicherungstechnisch für einen künftigen Fernsteuerungsbetrieb durch den Bahnhof St. Pölten vorbereitet. Dafür wird das bestehende Bahnhofsgebäude durch ein neues Betriebsgebäude ersetzt.
Auch der Bahnhof wird auf Hochleistungsstandard gebracht und die Attraktivität durch folgende Maßnahmen wesentlich verbessert:
- 55 cm hohe Bahnsteige für bequemes Einsteigen in die Waggons,
- schienenfreie Zugänge zu den Bahnsteigen mit integrierter Wartekoje bei den Aufgängen,
- Vorbereitungsarbeiten für den Einbau behindertengerechter Aufzüge,
- Platzraumschaffung für eine künftige P & R-Anlage.
Projektbeschreibung
Baulos 2
des Abschnittes St. Pölten West - Bahnhof Prinzersdorf beginnt unmittelbar nach der Wirtschaftswegunterführung Waitzendorf und endet im Bereich Grillenhöfe vor dem künftigen Einschnitt "Hofinger Höhe".
In diesem Baulos sind nicht nur umfangreiche Erd- und Entwässerungsarbeiten für die neue Trassenführung durchzuführen, sondern auch zwei Brückenobjekte neu zu errichten.
Baulos 3
stellt den Durchstich durch die "Hofinger Höhe" dar. Dadurch wird die derzeit bestehende gekrümmte Linienführung zwischen Hofing und Hetzersdorf beseitigt. Auch in diesem Baulos sind vor allem umfangreiche Erd- und Entwässerungsarbeiten durchzuführen. Weiters sind für die beiden querenden Landesstraßen L5131 und L5141 Straßenüberführungen zu errichten.
Baulos 4
ist der Bahnhofsumbau mit der Errichtung des neuen Betriebsgebäudes, der Randbahnsteige und des damit in Zusammenhang stehenden Personentunnels.
Weiters ist die Adaptierung der Verlade-Anlagen (Ladegleis Fa. Stöber und Raiffeisen Lagerhaus) sowie die Erneuerung des gesamten Unter- (Erdplanum und Entwässerung) und Oberbaues (gesamte Gleisanlage) sowie der Fahrleitungs- und Sicherungsanlage durchzuführen.
Die am westlichen Bahnhofskopf bestehende Eisenbahnkreuzung mit der Bundesstraße B1 wird aufgelassen und durch eine Unterführung am östlichen Bahnhofsende ersetzt. Westlich der bestehenden Eisenbahnkreuzung wird eine Gemeindestraßenunterführung errichtet, die die beiden Ortsteile von Prinzersdorf künftig niveaufrei verbindet.
Die Fertigstellung des Gesamtabschnittes ist für Mitte 2000 vorgesehen.
Lärmschutzmaßnahmen
Im Zuge des Aus- und Umbaues werden im gesamten Abschnitt, entsprechend den gesetzlichen Vorgaben, Lärmschutzmaßnahmen gesetzt, wobei es auch zu einer deutlichen Verbesserung der derzeitigen Lärmsituation kommt. So dient ein Großteil der alten Trasse im Bereich der Linienverbesserung künftig als Lärmschutzdamm. Bei Hetzersdorf sorgt der tiefe Einschnitt der neuen Trasse für eine deutliche Verbesserung der Lärmsituation und im Bahnhofsbereich werden Lärmschutzwände errichtet.
Bauabwicklung
Ein wesentlicher Punkt bei der Realisierung eines Aus- bzw. Umbaues einer bestehenden Eisenbahnstrecke, wie sie in diesem Fall vorliegt, ist die möglichst betriebsstörungsfreie Bauabwicklung.
Die Sperre eines Gleises während der Gesamtdauer der Umbauarbeiten im ganzen Bauabschnitt, wie dies im Straßenbau mit einem Fahrstreifen meistens durchgeführt wird, ist beim Bahnbau nicht möglich.
Dadurch käme es zu erheblichen Behinderungen im Güterzugsverkehr, da eine Überholmöglichkeit der schnelleren Reisezüge meist nur in Bahnhöfen gegeben ist und somit eine Auffädelung der Züge vor dem eingleisigen Nadelöhr zustandekäme.
Es ist daher der Bauablauf neben den technischen Vorgaben auch auf einen gemeinsam mit dem Bahnbetreiber erstellten Betriebsbauphasenplan abgestimmt. Eine Verschiebung aufgrund witterungsbedingter Einflüsse bzw. infolge außergewöhnlicher Ereignisse ist nur innerhalb der vorgegebenen Ecktermine möglich und es bedarf daher qualifizierter, den Bahnbetrieb kennender Fachleute zur Erstellung und Verfolgung dieser Betriebsbauphasen.
Im Ausbauabschnitt St. Pölten West - Bahnhof Prinzersdorf sind drei Betriebsbauphasen vorgesehen:
- Phase 1
- Beginn Frühjahr 1997
- Mitte Nov. 1998
Errichtung sämtlicher Einschnitts- und Dammverbreiterungen und Objektsteile südlich der Bahn in allen Baulosen. Zu diesem Zeitpunkt erfolgt die Betriebsabwicklung wie bisher und wird nur im Baulos 4 durch die Sanierung der Überhol- und Ladegleise sowie für die Errichtung der Bundesstraßen- und Gemeindestraßenunterführung geringfügig eingeschränkt. Das Baulos 3 muß bis zu diesem Zeitpunkt soweit fertig sein, daß die Umlegung der Westbahngleise erfolgen kann.
- Phase 2
- Durchführung im
- Aug. 1999
Aufeinanderfolgende Umlegung der Westbahngleise in den neuen Abschnitt "Hofinger Höhe". Dies stellt den größten Eingriff in die Betriebsabwicklung dar und kann nur während kurzfristiger eingleisiger Betriebsführungen durchgeführt werden.
Phase 3
Beginn Sept. 1999
Ende Sommer 2000
Sanierung des verbleibenden Teiles der Bestandsstrecke und stufenweise Rückführung der Gleisprovisorien in ihre Endlage. Weiters muß in diesem Zeitraum die Sanierung des Bahnhofsbereiches abgeschlossen werden. Während dieser Zeit kann der Betrieb zweigleisig, jedoch teilweise mit Geschwindigkeitseinschränkung abgewickelt werden.
Trotz dieser vorausschauenden Betriebsbauphasenplanung ist es nicht gänzlich vermeidbar, daß es zu Verspätungen im Zugsverkehr kommt. Im Hinblick darauf, daß die Schieneninfrastruktur jedoch wesentlich verbessert wird und dies vor allem den Reisenden, aber auch den Anrainern an der Bahn zugute kommt, hoffen wir auf das Verständnis aller, die von den Aus- und Umbauarbeiten betroffen sind. Wir werden uns bemühen, die daraus resultierenden unvermeidlichen Unannehmlichkeiten möglichst gering zu halten.
Technische Daten
- Streckenlänge: 6,2 Kilometer
- Bauten: 2 Straßenüberführungen
- 4 Straßenunterführungen
- 1 Personentunnel
- 2 Randbahnsteige
- Gesamtfertigstellung: Sommer 2000
