Ausbau zur viergleisigen Westbahn Haag - St. Valentin

Ein Güterzug fährt bei Haag vorbei. (Foto: 7. Mai 1998, Gerhard Obermayr)
1044.269-7 mit Regionalzug zwischen Haag und St. Valentin. (Foto: 10. Juni 1998, Gerhard Obermayr)
Die neuerrichtete 200 m lange Spannbetonbrücke über den Haagerbach, dahinter das Ost-Portal des noch im Bau befindlichen Siebergtunnels. (Foto: 27. Mai 1998, Gerhard Obermayr)
Die wunderschöne und besonders zur Obstbaumblüte romantische Strecke durch das Mostviertel: Das kurvenreiche und nicht als Hochleistungsstrecke brauchbare Stück zwischen Haag und St. Valentin. Dieser Abschnitt wird nach Inbetriebnahme der Neubaustrecke (durch den Siebergtunnel) nur mehr für den Regionalverkehr und als Ausweichstrecke genutzt. (Foto: 27. Mai 1998, Gerhard Obermayr)
Ein Regionalzug auf dem kurvigsten Teil der Strecke zwischen Haag und St. Valentin. In dieser Kurve sind nur 80 km/h erlaubt. (Foto: 27. Mai 1998, Gerhard Obermayr)

Ein Herzstück der Ausbaumaßnahmen an der Westbahn bildet der 13,55 km lange Neubauabschnitt zwischen Haag und St. Valentin. Dieser Teilabschnitt beginnt im Bereich der Haltestelle St.Johann/Weistrach und endet im Bahnhof St. Valentin.

Ein wesentlicher Bestandteil dieses Neubaubschnittes ist der 6,48 km lange, in den Randbereichen der Strengberge liegende Siebergtunnel. Durch diesen verkürzt sich die neue Strecke gegenüber den Bestandsgleisen, die weitgehend dem Talboden des Haager- und Erlabaches folgen, um 2,35 km.

Der Neubauabschnitt schließt im Osten an die Ausbauabschnitte Amstetten West, Mauer, Aschbach-Krenstetten sowie St. Peter-Seitenstetten an, die jedoch weitgehend durch eine Zuglegung von 2 neuen Gleisen zu den bestehenden Gleisen die künftige 4-gleisige Westbahn ergeben. Gleichzeitig mit dem Neubauabschnitt Haag - St. Valentin werden Planung und Ausbau des Bahnhofes St. Valentin vorangetrieben, sodaß bei Fertigstellung des Neubauabschnittes auch ein für die 4-gleisige Westbahn volltauglicher Bahnhof zur Verfügung steht.

Westlich von St. Valentin sind die Planungen für den Ausbau zur viergleisigen Westbahn ebenfalls im Gange.

Trassenverlauf

Der Neubauabschnitt beginnt im Bereich der Haltestelle Weistrach parallel zu den derzeitigen Gleisen der Westbahn und zweigt aus dieser Parallelführung unmittelbar im Bereich der derzeitigen Eisenbahnkreuzung mit der Landesstraße 6272 in Richtung Norden ab. Diese Kreuzung wird durch eine Straßenunterführung (HS 1) ersetzt. Die derzeitige Westbahnstrecke bleibt erhalten.

Die Neubaustrecke führt, unter zweimaliger Querung des Tempelmaierbaches, südlich von Kaltenmarkt zur Gemeindegrenze der Stadtgemeinde Haag (HS 5).

Weiters führt sie über die schmalen langgezogenen Felder von Hadersbach, schneidet immer tiefer in die Richtung des aufgelassenen Ziegelwerkes und kreuzt dabei Landes- sowie Gemeindestraßen.

Nach Verlassen des Höhenrückens um das ehemalige Ziegelwerksgelände wird der Haagerbach mittels einer 200 m langen Talübergangsbrücke (HS 10) überquert. Die Trasse führt unmittelbar vor der Bundesstraße B 42 beim Anwesen Mitter-Mayrhofer in den Siebergtunnel. Die Trasse tritt beim Einschnitt West wieder an die Oberfläche.

Die Bestandsstrecke wird im Bereich Kirchdorf ca. 30 m in Richtung Westen verschwenkt und so erfolgt hier eine Parallelführung mit dem Neubauabschnitt. In diesem Bereich wird auch eine neue Unterführung mit der LH 85 errichtet.

Unmittelbar vor dem Bahnhof St. Valentin wird die bestehende Westbahn Richtung Westen verschoben. Auf der damit freiwerdenden Trasse werden die zwei Gleise der neuen Hochleistungsstrecke verlegt.

Bei der Einfahrt in den Bahnhof St. Valentin ist zur Sicherung der Strecke aus Steyr eine Stützmauer entlang des Mühlbaches bis zur Brückenzulegung erforderlich.

Lärmschutzmaßnahmen

Dem Lärmschutz kommt große Bedeutung zu, wobei die Maßnahmen entsprechend der Schienenverkehrsimmissionverordnung gesetzt werden. Aufgrund von topographischen Gegebenheiten bzw. bei Einzelobjekten können nicht alle betroffenen Objekte durch Lärmschutzwände geschützt werden.

Für diese Gebäude wurden Lärmschutzfenster oder Schalldämmlüfter vorgesehen. Eine Lärmschutzwand wird für St. Johann zusammenhängend mit dem anschließenden Abschnitt St. Peter- Seitenstetten errichtet und damit eine wesentliche Verbesserung gegenüber dem derzeitigen Zustand bringen.

Im Bereich des Talüberganges Haagerbach sind beidseitig jeweils von Einschnitt Ziegelwerk bis Einschnitt Tunnel ebenfalls Lärmschutzwände erforderlich.

Im anschließenden Tunnel werden zur Minimierung von Erschütterungsauswirkungen bereichsweise ebenfalls besondere Schutzmaßnahmen vorgesehen. Dies geschieht durch die Ausgestaltung des Oberbaues mit dem sogenannten "Masse-Feder-System", dh. es wird ein elastisches Element (Sylomerplatte) zwischen fester Fahrbahn und Tunnelsohle eingebaut und damit werden die Erschütterungen auf die gesetzlichen Normwerte reduziert. Im Bereich des Schubertviertels reicht die Verbauung durch eine Reihenhausanlage bis zum Bahndamm, die die Errichtung einer 4,50 m hohen Wand erfordert hätte und von den betroffenen Anrainern abgelehnt wurde. Es werden daher neben Lärmschutzfenstern in den Obergeschossen auf die nunmehr 2 m hohe Lärmschutzwand sogenannte Interferenzabsorber aufgebracht.

Insgesamt sind für Lärmschutzmaßnahmen beim Neubauabschnitt Haag - St. Valentin 5.325 m Lärmschutzwände vorgesehen. Es kommen nur hochabsorbierende Wandelemente zum Einsatz. Die Material- und Farbwahl (Beton, Holz, Alu, Kunststoff) erfolgt in Abstimmung mit den betroffenen Anrainern.

Baustellenausfahrt Westautobahn

Ein Großteil der Materialan- und Abtransporte für die Errichtung des Siebergtunnels erfolgt über die Westautobahn, welche ungefähr parallel zur neuen Bahntrasse in einem Abstand von 1,5 bis 2 km verläuft.

Die bestehenden Anschlußstellen St. Valentin und Haag sind allerdings so gelegen, daß die Zufahrt zur Baustelle direkt durch das Siedlungsgebiet St. Valentin bzw. Stadt Haag erfolgen müßte. Um diese Belastungen weitgehend zu vermeiden, wurde die bestehende Betriebsumkehr an der Westautobahn im km 145,9 für die Zeit der Baumaßnahmen in eine provisorische Anschlußstelle für den Baustellenverkehr schon im Frühjahr 1996 umgebaut. Dabei wurde die bestehende Betriebsumkehr derart umgestaltet, daß ein gefahrloses Ein- und Ausfahren - vor allem von Schwerfahrzeugen - in die Westautobahn möglich ist. Dafür wurden der Pannenstreifen für die 200 m lange Verzögerungsspur und für die 295 m lange Beschleunigungsspur auf 4 m verbreitert, ein entsprechender Straßenaufbau eingebracht und der Pflasterstreifen abgetragen.

Zur Absicherung gegen unberechtigte Benutzung der Baustellenanschlußstelle sowie zum Schutze gegen Wildeintritt wurde für jede Richtungsfahrbahn eine fernbedienbare Schrankenanlage installiert.

Projektbeschreibung

Der Neubauschnitt Haag - St. Valentin wurde in 4 Baulose unterteilt.

Baulos 1

Dieses Baulos beginnt in der Haltestelle St. Johann/Weistrach und endet beim Tunnelportal Siebergtunnel.

Es erfolgt hier für die Landesstraße 6272 (HS 1) die Errichtung von Brücken. Diese Landesstraße wird zunächst über eine neu zu errichtende Straßenbrücke geführt und in weiterer Folge unter der neuen Eisenbahnbrücke durchgeleitet. Für die Errichtung des Dammes zwischen St. Johann und Hadersbach sind die Überschwemmungsbereiche des Tempelmeierbaches zu überqueren.

Der Tempelmeierbach wird 350 m westlich bereits unter der Westbahn durchgeführt (HS 3) und linksseitig wird ein entsprechendes Bachbett mit Retentionsflächen ausgebildet. Die derzeitige Bachbrücke (HS 2) wird entsprechend verlängert, dient jedoch künftig nur mehr der Durchführung der Wässer aus den Bahnbegleitgräben.

Der aus Norden kommende Tempelmeierbach wird unter dem neuen Bahndamm durchgeführt (HS 5). Anschließend wird die Landesstraße 6283 mit einer Unterführung (HS 6) unter der neuen Strecke durchgeführt.

Im Zuge dieser Straßenabsenkung ist die bestehende Brücke über den Tempelmeierbach zu erneuern.

Unmittelbar nach der Landesstraßenkreuzung verläuft die Strecke über der Landesstraße 6268. Im Bereich des aufgelassenen Ziegelwerkes wird eine Grünbrücke errichtet. Das Baulos 1 führt bis zum Tunnelportal bei der Bundesstraße B 42.

Im Einschnittsbereich des Tunnels wird ein Betriebsgebäude für die technischen Einrichtungen errichtet.

Baulos 2

Es ist dies eine 200 m lange Spannbetonbrücke (HS 10), die den Haagerbach, die Landesstraße 6100 und eine Zufahrtsstraße quert.

Zur Errichtung dieses Talüberganges mußte die Landesstraße 6267 verlegt und für diese zur Querung des Haagerbaches eine Brücke (HS 10a) errichtet werden.

Baulos 3

Dieses Baulos stellt den 6,48 km langen Siebergtunnel dar. Dieser oberflächennaheTunnel wird sowohl von den Tunnelportalen als auch von Zwischenangriffen aus vorgetrieben.

Für den ersten Abschnitt in Deckelbauweise mußte die Bundesstraße B 42 vorübergehend verlegt werden.

An diesen Deckelbereich schließt der bergmännische Tunnelbereich bis zum Zwischenangriff Lembach an. Dort muß der Talboden um ca. 2 m aufgehöht werden, da der Tunnelscheitel über dem derzeitigen Gelände liegt. Dabei wird auch für den Lembach ein entsprechend angehobenes und neugestaltetes Bachbett vorgesehen.

Der zweite Zwischenangriff liegt im Bereich des Pillgrabgrabens. Dort befindet sich die Baustelleneinrichtung.

Im letzten Abschnitt Richtung St. Valentin wird zur Durchörterung dieses Bereiches vom Westportal aus ein 280 m langer Vortrieb erfolgen.

Nach der Querung der Landesstraße 6253 wird vorerst in Deckelbauweise und anschließend in offener Bauweise bis zum Tunnelportal gebaut.

Im Bereich des Tunnelportals befindet sich das Sammelbecken für die Bergwässer, die in den Erlabach abgeleitet werden. Bei sämtlichen Zwischenangriffen ist die Errichtung einer Gewässerschutzanlage für die abzuleitenden Berg- und Bauwässer vorgesehen.

Ein Teil des Tunnelausbruchmaterials wird in St. Valentin in der OMV-Grube für die Errichtung eines weiteren Neubauabschnittes an der Westbahn vorgelagert, ein weiterer Teil wird für Baumaßnahmen der Industrieaufschließungsstraße der Stadtgemeinde St. Valentin (über die "Swietelsky-Grube") eingebaut, der Rest in vorwiegend aufgelassenen Schottergruben zur Rekultivierung verwendet.

Baulos 4

Es beginnt beim westlichen Tunnelportal Siebergtunnel, wobei im anschließenden Einschnittsbereich wiederum - entsprechend dem Sicherheitskonzept ein Tunnelrettungsplatz mit Betriebsgebäude errichtet wird.

Unmittelbar nach Erreichen der Dammlage verläuft die künftige neue Trasse parallel zur bestehenden, die allerdings bis zu 30 m nach Westen verschwenkt wird. In diesem Bereich unterfährt die Landeshauptstraße 85, die auf einer Länge von 800 m verlegt werden muß, die künftige 4-gleisige Westbahn (HS 14).

Im Bereich Kirchdorf wird eine bestehende Unterführung durch eine neue mit Fußgänger- und Radweg ersetzt (HS 16).

Für die Bruckfeldstraße wird eine Straßenbrücke über den Erlabach (HS 17) errichtet. In diesem Bereich ist der Erlabach in zwei TeiIbereichen zu verlegen und eine neue Wehranlage zu bauen.

Direkt im Anschluß an die Wehranlage ist für die künftige 4-gleisige Westbahn eine neue Erlabachbrücke (HS 18) zu errichten.

Unmittelbar vor dem Bahnhof St. Valentin wird über den Mühlbach eine Brücke (HS 20) und im Anschluß daran - für den kündigen Bahnhofsumbau St. Valentin - eine 100 m lange Stützmauer mit Ufersicherung errichtet.

Technische Daten:

  • Streckenlänge:    13,55    km
    Verkürzung 2,35    km
    vmax - 200    km/h
    Mindestradius 3000    m
    max. Steigung 10    ‰
  • Bauten:    22 Brücken, davon
    5 Bahnbrücken
    11 Bachbrücken
    1 Talübergangsbrücke
    Tunnel 6,48    km
    1 prov. Autobahnausfahrt
  • Gesamtfertigstellung:    2001