Koralmbahn Graz - Klagenfurt
Die Koralmbahn als ein Teil der neuen Südbahn
Erste Überlegungen für eine direkte Eisenbahnverbindung zwischen Graz und Klagenfurt gab es bereits knapp nach dem ersten Weltkrieg, nachdem die direkte Verbindung zwischen den Städten mit der Gründung der Monarchie-Nachfolgestaaten nicht mehr möglich war. Allerdings erst 1990 wurde diese Idee wieder aufgegriffen und die grundsätzliche Machbarkeit der "Süd-Ost-Spange Wien - Eisenstadt - Graz - Klagenfurt" untersucht. Die Studie wurde 1991 fertigstellt: darin wurde die technische, wirtschaftliche und umweltverträgliche Machbarkeit grundsätzlich bestätigt und empfohlen, die Koralmbahn (auch als Teil der Neuen Südbahn) vorrangig zu errichten.
1994 wurde die Süd-Ost-Spange zu einer Hochleistungsstrecke erklärt, am 31. 8. 1995 die HL-AG mit der Planung der Koralmbahn Graz-Klagenfurt beauftragt.
Korridoruntersuchung abgeschlossen
- Ergebnisse der Studie zur Süd-Ost-Spange 1991 bestätigt
- Die HL-AG ist durch Verordnungen beauftragt, eine Hochleistungsstrecke als Teil der neuen Südbahn zwischen Graz und Klagenfurt (Koralmbahn) zu planen.
- Der Ausbau der Südbahn zu einer Hochleistungsstrecke ist für die Bewältigung der Verkehrsströme auf dieser Nord-Süd-Achse eine unabdingbare Voraussetzung, um auch in Zukunft den nationalen und internationalen Anforderungen an eine leistungsfähige Bahn gerecht werden zu können.
Die Korridoruntersuchung der Koralmbahn
Aufgrund der geänderten Rahmenbedingungen seit 1990/1991 (z.B. Österreichs Beitritt zur EU, Entwicklung der transeuropäischen Netze, weiter fortschreitende Verbauung in den Korridoren selbst, Untersuchung bezüglich möglicher Zubringerstrecken, neueste Entwicklungen im Tunnelbau) beauftragte die HL-AG 1997 die Universitätsprofessoren Dipl.Ing. Dr. Klaus Rießberger, Dipl.Ing. Dr. Helmut Stickler und Dipl.Ing. Dr. Peter Cerwenka, die Korridorauswahl zu aktualisieren und vertieft zu überprüfen. Diese Untersuchung wurde nunmehr abgeschlossen.
Auf Basis grundsätzlicher Überlegungen zur Realisierbarkeit von Bahnprojekten
- Landschafts- und siedlungsschonende Planung
- Zukunftsorientiertes Trassieren
- Beachtung betrieblicher Zusammenhänge
- Verknüpfungen ermöglichen
wurde ein zweistufiges Verfahren angewandt.
Im ersten Schritt wurden die "Mußkriterien" definiert und die möglichen Korridore daraufhin untersucht:
- grundsätzliche Realisierbarkeit
- Einhaltung einer Kantenfahrzeit von 60 Minuten zwischen Graz und Klagenfurt (= Attaktivität der neuen Bahnverbindung)
- Abdecken von Regionalverkehrsströmen und
- die Möglichkeit einer günstigen Betriebsabwicklung für den Güterverkehr.
Im zweiten Schritt wurden jene Korridore, die diese "Mußkriterien" erfüllen, vertieft analysiert.
Dazu wurden
- Investitionskosten und Betriebskosten erhoben,
- die Nachfrage analysiert,
- ein betriebswirtschaftlicher Kostenvergleich durchgeführt sowie
- weitere nicht monetär bewertbare Argumente aufgezeigt.
Als Planungsgebiet wurde der Raum zwischen Graz - Voitsberg - Wolfsberg - St.Veit/Glan - Klagenfurt - Maribor - Graz definiert.
In diesem Planungsraum wurden 10 Korridore untersucht, wobei die nördlichen und südlichen Korridore die "Mußkriterien" nicht erfüllen konnten: die Regionalverkehrsströme wurden nicht entsprechend abgedeckt, sie zeigten sich ungünstig für den Güterverkehr, die Realisierbarkeit wurde als höchst problematisch eingestuft und der Korridor über Maribor überschreitet darüber hinaus die Kantenzeit bedeutend.
Die weiteren Vergleiche ergaben, daß im betriebswirtschaftlichen Kostenvergleich die zwei Korridore 5 und 7 unter der Voraussetzung gleicher Nachfrage und Erlöse günstiger sind. Die Zusatzargumente des zweiten Schrittes erlauben eine noch weiter differenzierte Variantenreihung: hier ist der Korridor 5 achtmal an erster Stelle gereiht, der Korridor 7 jedoch nie. Auch aus trassierungstechnischer und baulicher Sicht ist der Korridor 5 dem Korridor 7 vorzuziehen. Dieser Korridor entspricht weitgehend dem in der Machbarkeitsstudie 1991 vorgeschlagene Korridor.
Es wird daher von den Studienautoren, vorgeschlagen, den Korridor 5 als Grundlage für die weiteren Planungen heranzuziehen. Diese Empfehlung wird von der HL-AG aufgenommen.
Die Koralmbahn - Nutzen für Menschen und Region
Die Koralmbahn soll nach der Fertigstellung eine Vielzahl von Vorteilen für den Personen- und Güterverkehr bringen:
- Verbesserung und Aufbau der Standortqualität
Anbindung der wirtschaftsschwachen Räume Unterkärnten bzw. südliche Weststeiermark an überregionale und internationale Wirtschaftsräume. Attraktivierung der Wirtschaftsstandorte zur Fortsetzung erfolgreicher Beispiele wie Filterwerk Knecht in St. Michael ob Bleiburg oder Siemenswerk in Deutschlandsberg. - Raschere Entwicklung und qualltativer Ausbau des Fremdenverkehrs
Zeitgemäße nationale und internationale Eisenbahnverbindungen "verkürzen" die Distanzen (Wien - Klopeinersee/Wörthersee in ca. 3 Stunden, Wien Weinbauregion Leibnitz, Deutschlandsberg in 2 ½ Stunden). Aber auch von Norditalien oder Süddeutschland gelangt man dann bequem und rascher in den Kärntner Zentralraum und das Lavanttal bzw. in die Weststeiermark. Ein richtiger Schritt in Richtung sanfter Tourismus. - Verbesserung der Lebensqualität für Pendler
(Berufstätige, Studenten, Schüler, Behördenwege, Freizeit) Durch eine attraktive Anbindung der neuen Koralmbahn (Park/Bike & Ride-Plätze) an den Individual- und öffentlichen Verkehr werden die Fahrzeiten für Pendler wesentlich verkürzt, die Umwelt entlastet und die Lebensqualität gesteigert. Von Wolfsberg wird man dann mit der Bahn in einer halben Stunde in Klagenfurt und ebenso von Deutschlandsberg in einer halben Stunde in Graz sein können Im günstigen Fall können aus Wochenpendlern sogar Tagespendler werden. Die neue Bahnverbindung ermöglicht auch eine wesentlich bessere Erreichbarkeit von Ereignissen bzw. Veranstaltungen im großstädtischen Bereich (Theater, Ausstellungen, Popkonzerte, Sportveranstaltungen etc.).
Wie erfolgt die Planung?
Die Planung sowie der anschließende Bau der Koralmbahn erfolgt in Teilabschnitten, welche für sich einzeln verkehrswirksam werden.
Das heißt: Während manche Teilstücke noch geplant werden, kann andernorts schon mit dem Bau oder sogar mit dem Betrieb begonnen werden.
Abschnitte
Auf Grund der Planungs- und Bauübertragungen vom 31. 8. 1995 und 20. 11. 1997 und dem Grundsatz der abschnittsweisen Planung - wurden von der Projektleitung Steiermark folgende Planungsabschnitte festgelegt:
- Graz Hbf. - Puntigam: Ausbau des Bestandes sowie Ersatz der Eisenbahnkreuzungen durch Unterführungen
- Puntigam - Werndorf: Ausbau des Bestandes sowie Neubau
- Werndorf - Deutschlandsberg Neubau einer 2-gleisigen Strecke
- Deutschlandsberg - St. Andrä i.L.: Tunnelneubau
- Zusätzlich seit 20. 11. 1997
Terminal Werndorf: Neubau
Verbindungsbahn zur steirischen Ostbahn: Neubau
Der Bereich Graz Hbf. - Graz Puntigam
Dieser Bereich ist ein Teil des ersten Abschnittes der Koralmbahn. Im Stadtbereich wurde mit entsprechenden Grundlagenerhebungen (Vermessung, Untergrunderkundungen, etc.) bereits begonnen.
Derzeit ist ein Betriebskonzept in Bearbeitung, das die Abwicklung des künftigen Schienenverkehrs auf diesem Streckenabschnitt zum Inhalt hat. Erst nach Vorliegen eines solchen Betriebskonzeptes können die ersten technischen Streckenplanungen beginnen, die im Anschluß mit der Bevölkerung diskutiert werden.
Auch im Abschnitt Graz Hbf. - Puntigam gilt das Planungsleitbild der Projektleitung Koralmbahn Steiermark:
- Zielorientierte, qualitativ hochwertige Planung
- Interdisziplinäre Planung: Einbeziehung aller Fachbereiche und Wissensgebiete
- Interaktive Planung: Enge Kooperation mit allen Projektbeteiligten (Anrainer, Planer, Behörden, etc.) und einer Wechselwirkung zwischen Umwelt und Technik
- Transparenz und Nachvollziehbarkeit
Für die Anrainer in der Stadt Graz bedeuten die sich daraus ergebenden Veränderungen auf der Bestandsstrecke vor allem:
- eine verbesserte Nahverkehrssituation ("Steirertakt")
- Ersatz von Eisenbahnkreuzungen durch Unterführungen
- entsprechende Lärmschutzmaßnahmen an der Strecke
Wir haben unsere Planungen so zu gestalten, "... daß eine umweltverträgliche, wirtschaftliche und zügige Baudurchführung nach modernstem technischen Standard sowie ein sicherer und kostengünstiger Betrieb mit möglichst geringer Beeinträchtigung der Umwelt gewährleistet ist." ( 1. HL Übertragungsverordnung 1989) Ein besonderer Augenmerk wird daher bereits frühzeitig der Berücksichtigung von Lärm, Erschütterung und Grundwasserfragen geschenkt. Aus diesem Grund wurde bereits mit Erkundungsbohrungen begonnen.
Daher unterstützen auch die Bundesländer Steiermakr und Kärnten sowie die Landeshauptstädte Graz und Klagenfurt - beurkundet durch die Resolution vom 21. Oktober 1996 - den Ausbau der "Neuen Südbahn" mit der Koralmbahn!
Die nächsten Monate
In den nächsten Monaten werden im Abschnitt Graz Hbf. - Puntigam folgende maßgeblichen Arbeiten durchgeführt:
- Vermessungen
- Betriebssystem (Analyse des künftigen Schienenverkehrs)
- Untergrund- und Grundwasseruntersuchungen
- Bohrungen und geophysikalische Untersuchungen
- Streckenplanung
- Lärm- und Erschütterungsuntersuchung
- Planung der örtlichen Straßenanpassungen und der ÖV-Verknüpfungen
- Unterführungsplanung
In dieser Zeit werden auch verstärkt Informationen an die Anrainer angeboten werden.
Die Planungsarbeiten in diesem Bereich werden - abhängig von den Ergebnissen der Abstimmung mit der Öffentlichkeit sowie den Detailuntersuchungen voraussichtlich im nächsten Jahr zur Projekteinreichung bei den zuständigen Behörden führen.
Je nach Zügigkeit der Behördenverfahren ist mit einer Baugenehmigung bis 2000 zu rechnen. Danach erfolgen die Detailplanungen, Bauausschreibungen, der Bau und die Inbetriebnahme.
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