Aus der Chronik des Bahnhofs Wieselburg

Das neu errichtete Ausfnahmsgebäude in Wieselburg, Eröffnung 1. Februar 1900. (Foto: 1988, Sammlung Bahnhof Wieselburg)
Lebhaftes Bahnhofstreiben in Wieselburg 1917. (Foto: Schwarz, Sammlung Mitter)
Der Bahnhof Wieselburg 1911. (Foto: Sammlung Mitter)
Moderner Dieseltriebwagen löst Dampfveteran ab. (Foto: 6. Juni 1970, Sammlung Bahnhof Wieselburg)

Die Entstehung der Bahn reicht bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts zurück, einer Zeitwende, da man in Österreich die Bedeutung der Eisenbahn für die Volkswirtschaft erkannt hatte und mit dem Bau der Südbahn und der Westbahn die große Ära de Eisenbahnbaues begann.

Der Bau der Linie durch das Erlaftal war hauptsächlich durch die dort hochentwickelte Kleinindustrie bedingt und alle während der Gründungsperiode propagierten Projekte sind auf die industrielle und verkehrspolitische Bedeutung dieses Gebietes zurückzuführen. So war schon das ursprüngliche Trassenprojekt der Kaiserin-Elisabeth-Westbahn auf eine Verbindung von St. Pölten, Schauboden im Erlaftal und Amstetten abgestellt. Auch für eine strategische Bahn Zwettl - Pöchlarn – Kienberg – Hieflau ist man damals eingetreten. Als aber die Trasse der Westbahn dann über Melk geführt wurde und die übrigen Projekte nicht verwirklicht wurden, trachteten die ”Hammerherren“ wenigstens den Anschluß des engeren Eisenindustriegebietes, der sogenannten ”Eisenwurzen“, an die Westbahn und damit die Verbindung mit der Donau zu erwirken.

Großes Verdienst um die Ausführung dieses Projektes erwarben sich vor allem der in der Geschichte des Eisenwurzengebietes als Erfinder der Blechwalze gerühmte Andreas Töpper, dessen Nachfolger Adolf Horst in Neubruck, Josef Reiser in Kienberg, Anton Fanta in Neustift und insbesondere der Bürgermeister von Scheibbs Ignaz Höfinger.

Nach mancherlei Rückschlägen erfolgte unter Bahnhans als Handelsminister die Erteilung der Konzession am 3. November 1874 und deren Verlautbarung am 6. März 1875. Diese nannte als Konzessionäre den Grafen Viktor Wimpffen im Vereine mit Adolf Horst, Leopold Hutterstraßer, Alexander Curti und August Köstlin, worauf am 19. Oktober 1876 die Konstituierung der Gesellschaft ”k.k. priv. n. ö. Südwestbahnen“ vor sich ging. Die Konzession galt für die Linien Leobersdorf – St. Pölten mit der Zweiglinie von Scheibmühl nach Schrammbach, eventuell Freiland, ferner für Leobersdorf – Gutenstein und für Pöchlarn – Kienberg/Gaming.

Der an die Unternehmung Franz Kraus, Johann Prokop und Georg Schlechter vergebene Bau der Erlaftalbahn wurde im Herbst 1877 unter Oberingenieur Büchler als Bauleiter vollendet.

Samstag, 20. Oktober 1877 rollte der Eröffnungszug von Pöchlarn nach Kienberg/Gaming, lebhaft begrüßt von der gesamten Bevölkerung des Erlaftales. Die eigentliche Eröffnungsfeier fand im Rahmen eines Festes unter der Leitung des damaligen Vizebürgermeisters Ignaz Höfinger in Scheibbs statt.

Unmittelbar nach der erwähnten Konstituierung der Gesellschaft ”k.k. priv. n. ö. Südwestbahnen“ wurde jedoch schon von dem Konzessionär Horst, um einen regelmäßigen Betrieb auf dieser Linie auch für die Zukunft unabhängig von der finanziellen Lage der Gesellschaft zu sichern, deren Verstaatlichung angeregt.

Am 19. Oktober 1877 wurde von der Regierung der Entschluß zur Erwerbung der Südwestbahnlinien gefaßt, sodaß die Erlaftalbahn fast gleichzeitig mit ihrer Eröffnung auch Staatsbahn wurde. Die Verstaatlichung hatte die in der Wr. Zeitung vom 15. November 1878 verlautbarte Liquidation der Gesellschaft ”k.k. priv. n. ö. Südwestbahnen“ zur Folge.

Die in die wirtschaftlichen Vorteile des Schienenweges gesetzten Erwartungen erwiesen sich als richtig, indem die Eisenwerke im Erlaftal erfolgreich in den Wettbewerb größerer Produktionsbereiche eintreten konnten. Der durch die Eisenbahn erleichterte Besuch des Erlaftales erschloß ihm einen auf die Schönheit des ganzen Gebietes aufbauenden Fremdenverkehr. Die Eisenindustrie jedoch konnte sich - unter Einwirkung der Erfindung des Bessemerstahles – in ihrer ursprünglichen Gestalt nicht halten. Nach dem Niedergang der Zerrenhämmer wurde es notwendig, auf neue Produktionszweige auszuweichen.