Der M-Triebwagen 4152
Der Triebwagen 4152 wurde von der Simmeringer Waggonfabrik erbaut, am 10. Juli 1929 an die Gemeinde Wien - Städtische Straßenbahnen abgeliefert und gehörte der nur zwei Einheiten umfassenden Type M1 an. Die ersten Einsätze fanden ab 18. Mai 1930 beim Betriebsbahnhof Ottakring statt.
Im Jahre 1964 fand eine grundlegende Modernisierung, bei der neue Nockenfahrschalter der Type NFBGw7, eine Batterievorerregung des Bremsstromkreises und Fahrerstandseinrichtungen für sitzende Bedienung zum Einbau gelangten statt. Desweiteren erfolgte die Ausrüstung mit einem Scherenbügel der Type SS 53, Zweisichtdachsignalen und Abblendscheinwerfern, sowie 16-poligen ELIN-Dosen, 24V-Dosenwecker und Blinkerschaltern für den Verkehr mit c2- bzw. c3-Beiwagen. Der Innenraum wurde neu gestaltet, die Holztäfelungen durch Maxplatten ersetzt und die Innenbeleuchtung auf Leuchtstoffröhren geändert.
Ein kurzer Blick in die Wagenpapiere gibt Auskunft über die wichtigsten Umbauten:
Feb. 1939 | Einbau von Fahrtrichtungsanzeigern |
Jän.1956 | Ersatz der Brems- und Lichtsteckdosen durch 10-polige ELIN-Dosen für die Versorgung von Neubaubeiwagen und Einbau von Schienenbremsen |
Feb. 1961 | Ersatz der Verglasung quer zur Fahrtrichtung durch Sicherheitsglas und Einbau von Frontscheiben mit Scheibenwischer |
Juli 1964 | Grundlegende Modernisierung |
Okt. 1966 | Austausch der Rollenachslager gegen Gleitlager |
März 1972 | Umzeichnung in MR 6152 |
Juli 1972 | Umbau für den Einsatz als Meßpartiewagen |
Der Einsatz im planmäßigen Linienverkehr endete am 15. März 1972 beim Betriebsbahnhof Brigittenau auf der Linie 5. Anschließend erfolgte der Umbau in einen Arbeitswagen mit speziellen Einrichtungen für die elektrotechnische Meßpartie, die Lackierung in gelber Farbe und die Verwendung unter der neuen Typenbezeichnung MR mit der Nummer 6152, bis zu seiner Ausmusterung aus dem Wagenpark der WStW-VB am 17. April 1986.
Anschließend wurde er vom VEF erworben und in die Sammlung der historischen Straßenbahnfahrzeuge eingereiht. Als Endziel sollte er langfristig wieder in den Zustand als Personentriebwagen in der Erscheinungsform zwischen 1964 und 1972 rekonstruiert werden, fand aber vorerst als Magazin- und Bürowagen der VEF-Arbeitsgruppe Straßenbahn im Betriebsbahnhof Ottakring Verwendung. So bestand in einem vorübergehenden Einsatz für Werbezwecke die Möglichkeit zur Finanzierung dieses aufwendigen Rückbaues. Nach Klärung der betrieblichen Belange und einer vorangegangenen gründlichen Revision wurde der Wagen mit Ganzwerbung in den Manner-Firmenfarben, rosa Grund mit blauer und weißer Schrift, sowie Werbeplakaten versehen und im März 1992 zum Betrieb zugelassen.
Ein betriebliches Hindernis bestand jedoch vorallem darin, daß das Fahrzeug aufgrund seiner besonderen Inneneinrichtung, aus der Zeit des Einsatzes als Meßpartiewagen, nicht zur Personenbeförderung zugelassen war. Im Jahre 1996 wurde daher der Entschluß gefaßt den MR 6152 wieder für den Personenverkehr zu rekonstruieren. Hierzu war es erforderlich dessen Innenraum wieder im Zustand nach dem Umbau im Jahre 1964 herzustellen.
Der erste Schritt in diese Richtung bestand im Ausbau der Einrichtungen und Einbauten die noch aus der Verwendung als Meßpartiewagen stammten. Die eigentliche Rekonstruktion vollzog sich in mehreren Etappen, da der Wagen zwischendurch immer wieder für Werbefahrten und Veranstaltungen ( Kalvarienbergmarkt - Express, etc. ) eingesetzt war.
Der Rückbau wurde auch gleich zum Anlaß genommen eine komfortsteigernde Maßnahme zu treffen. Da beim Umbau in den MR 6152 im Jahre 1972 die Heizwiderstände, das Heizmesser, sowie deren Verkabelung entfernt und durch zwei Frischstromgebläseheizungen ersetzt wurden, bestand ohnehin die Notwendigkeit nach einer Neuanfertigung der Heizung. Der Grundgedanke bestand jedoch darin, sowohl optische als auch akustische Beeinträchtigungen im Fahrgastraum zu vermeiden um den historischen Wert zu erhalten. Zu diesem Zwecke wurden 6 Frischstromheizkörper wie sie üblicherweise auf den Beiwagen Verwendung finden herangezogen. Deren Platzierung erfolgte unter drei Längsbänken hinter Abdeckgittern, an den selben Stellen an denen sich früher die Heizwiderstände befanden und ist von außen nicht zu erkennen.
Da es sich bei allen Arbeiten um wesentliche Eingriffe in die technischen Einrichtungen des Fahrzeuges handelte erforderte dies auch wieder eine begleitende Kontrolle durch einen Vertreter der Aufsichtsbehörde.
Nach annähernd zwei Jahren, einer Eigenleistung der Mitarbeiter der VEF-Arbeitsgruppe Straßenbahn von 959 Stunden und dem Einsatz beträchtlicher finanzieller Mittel, endete die aufwendige Fahrzeugrekonstruktion im Dezember 1997 mit der Umzeichnung in M1 unter der ursprünglichen Nummer 4152. Die offizielle Wiederinbetriebnahme für den Personenverkehr fand im Rahmen der 193. VEF-Sonderfahrt am 25. Jänner 1998 statt.
Das Fahrzeug entspricht, mit Ausnahme der Ganzwerbung, im derzeitigen Erscheinungsbild dem Linieneinsatz zwischen 1966 und 1972 und weist folgende Kenndaten auf:
Antriebsleistung: | 92,6 kW |
Höchstgeschwindigkeit: | 40 km/h |
Gesamtlänge: | 11600 mm |
Achsstand: | 3600 mm |
Eigengewicht: | 14100 kg |
Sitzplätze: | 24 |
Stehplätze: | 44 |
