Das Schwarzatal

Das Schwarzatal mit Blick auf Payerbach und die Raxalpe.
Eine Gruppe von Rettungsmännern im Jahr 1903. (Foto: Bergbaumuseum Reichenau)
Das Schrockenfuxkreuz erinnert an den ersten Unfall eines Touristen mit tödlichem Ausgang auf der Rax. (Foto: Österreichische Bergrettungsdienst, Ortsstelle Reichenau)
So mögen die Leute um 1900 ausgerüstet gewesen sein, als sie zur Bergung von Lawinenopfern aufbrachen. (Foto: Österreichische Bergrettungsdienst, Ortsstelle Reichenau)

Die Geburtsstätte der Bergrettung

Bergrettung und Bahn, welch ein Zusammenhang besteht hier?

Blicken wir zurück, wie war es vor dem Bau der Eisenbahn mit dem Bergsteigen? Meistens stiegen Einheimische und hier vor allem Jäger, Mineraliensucher etc. auf die Berge. Für alle anderen an den Bergen interessierten Menschen war jedoch schon die Anreise sehr kostspielig, schwierig und vor allem zeitraubend. Erst durch den Bau der Semmeringbahn war es den weitesten Bevölkerungsschichten und hier vor allem den Menschen aus der Millionenstadt Wien möglich, rasch und bequem zu den Bergen zu gelangen. Es wundert daher kaum, daß durch den Bau der Eisenbahnen eine Bewegung entstand, die zur Gründung der alpinen Vereine führte (z. B. Semmeringbahn 1854 - Englischer Alpenclub 1857, Wien - München 1860 - Österreichischer Alpenverein 1862, Brennerbahn 1867 - Club Alpino Italiano usw.). Bereits 1870 wurde von der alpinen Gesellschaft "D'Schwefelbanda" auf den Hängen der Heukuppe (Rax) ein Hüttchen errichtet. Doch bereits kurze Zeit später war dieses den Anforderungen nicht mehr gewachsen und so wurde bereits am 10: Oktober 1876 der Grundstein für das erste große Schutzhaus auf der Rax gelegt. Wie bedeutend bereits zu dieser Zeit das Bergsteigen war, zeigt die Tatsache, daß ein Mitglied des Kaiserhauses (Erzherzog Karl Ludwig) die Patenschaft übernahm. Daß alpine Unfälle nicht ausblieben, ist leider nur selbstverständlich. Die Chronik berichtet, daß am 3. September 1856 der 33jährige Kaufmann August Schröckenfux im Schneesturm auf der Rax ums Leben kam. Sein Gedenkkreuz steht heute noch unweit der Preinerwand auf dem Weg zur Seehütte.

Organisierten Rettungsdienst gab es damals noch keinen. Die Verletzten wurden von eigenen Expeditionen geborgen, die von den Begleitern oder Angehörigen erst im Tale gesucht und aufgestellt wurden. In Anbetracht des enormen Zeitaufwandes wird so manche Hilfe zu spät gekommen sein. Immer wieder tauchte die Idee zur Gründung einer Rettungsgesellschaft auf. Aber erst 1896 wurde dieser Gedanke verwirklicht (zu dieser Zeit zählte man bereits 30.000 Besucher auf der Rax und dem Schneeberg). Der auslösende Moment war ein tragischer Unfall. Am 8. März 1896 verunglückten die Wiener Bergsteiger Pfannl, Schottik und Waniek am Reistalersteig (Rax) tödlich und konnten erst nach Tagen gefunden und geborgen werden. Am 22. Mai 1896 wurde das "Alpine Rettungskomitee" gegründet. Der in Reichenau als Lehrer tätige Hans Steiger suchte und fand Bergkameraden, die gewillt waren, freiwillig bei Unfällen zu helfen. Auch der Lehrer Ferdinand Bürkle wurde für diese Idee gewonnen und so gab es bereits im Frühjahr 1896 in Reichenau und Schneebergdörfl Rettungsmannschaften.

Im Laufe des Jahres wurden in Mürzzuschlag, Admont, Bruck an der Mur und Lunz am See Rettungsmannschaften aufgestellt.

Der regionale, nationale, aber auch internationale Bergrettungsdienst war geboren, und seine Wiege stand im Rax- und Schneeberggebiet. Erst im Februar 1898 wurde die "Alpine Rettungsgesellschaft Innsbruck", im Mai der "Alpine Rettungsausschuß München", 1901 der in Salzburg und 1902 der in Graz usw. gegründet.

Zwei Kriege zerstörten die immer wieder geleisteten Aufbauarbeiten, bis im Jahr 1946 die Landesstellen des "Österreichischen Bergrettungsdienstes" geschaffen wurden.1949 wurde der Bundesverband ins Leben gerufen; damit wurde die Grundlage für eine einheitliche Ausbildung und für eine planmäßige Ausrüstung der Ortsstellen geschaffen. 1955 Gründung der "Internationalen Kommission für alpines Rettungswesen - IKAR". In ihr wird die internationale Rettungstechnik koordiniert. Besonders die Ausrüstung der Ortsstellen mit modernem Rettungsgerät wurde in den letzten Jahren mit großem Eifer betrieben. Zu erwähnen sind dabei der Bau von Diensthütten, der Ankauf von Einsatzfahrzeugen, der Aufbau eines umfassenden Funknetzes und noch vieles mehr.

Der Schwarzataler Radwanderweg

In einem der schönster Gebiete von Niederösterreich, in der Tourismusregion N.Ö.SÜD-alpin, wurde für sportliche Gäste der "Schwarzataler Radwanderweg" eingerichtet.

Von der Ebene des Steinfeldes bis zum Fuße der Raxalpe!
Durch Föhrenwälder mit herrlichem Blick auf den Schneeberg!
Entlang der klaren Schwarza bis zum Beginn des Höllentales!

Von Erlach bis zur Raxseilbahn!

Der Beginn des "Schwarzataler Radwanderweges" ist in Erlach und führt über Schwarzau am Steinfeld und Breitenau in die Bezirkshauptstadt Neunkirchen. Weiter über Ternitz entlang der Schwarza über Wimpassing, Buchbach, Grafenbach und Enzenreith nach Gloggnitz. Von Gloggnitz aus können konditionsstarke die anspruchsvolle Route über Prigglitz wählen oder bequem entlang der Semmeringbahn über Payerbach und Reichenau nach Hirschwang bis zur Raxseilbahn fahren.

Abseits von Hauptverkehrsrouten bietet der "Schwarzataler Radwanderweg" ein herrliches Naturerlebnis und durch nur 150 m Höhenunterschied auf 43 km auch ein bequemes "Radeln".
Ob alleine oder mit der Familie, mit Freunden oder Bekannten der "Schwarzataler Radwanderweg" ist immer ein Erlebnis!

Auszug aus der Festschrift "100 Jahre Bergrettung in Reichenau/Rax"

100 Jahre alpines Rettungswesen in Reichenau

Wenn wir in den Annalen der Bergrettungs-Ortsstelle Reichenau blättern, so stoßen wir immer wieder auf das Datum des 8. März 1896, das als die Geburtsstunde des organisierten Rettungswesen in Reichenau gilt. Aber nicht nur das, es ist damit die Geburtsstunde des alpinen Rettungswesen in Österreich und sicherlich auch der ganzen Welt. Ausschlaggebend für die Bildung einer Rettungsstelle war der tragische Unfall am Reißtalersteig in den Raxmäuern . Es hat aber schon lange vorher Unglücksfälle in unseren Heimatbergen gegeben.

Mitte des vorigen Jahrhunderts - die Semmeringbahn stand erst vor der Vollendung - gab es in unserem Gebiet praktisch noch keine Touristik und keinen Fremdenverkehr. Die Rax war ein exklusives Jagdgebiet, es florierte aber auch ein reger Almbetrieb, wofür die verfallenen bzw. nicht mehr vorhandenen Almen, deren Namen jedoch noch bekannt sind, zeugen.

So ist uns überliefert, daß am 20. Juli 1844 der Knecht LORENZ EHRENBÖCK, der im Dienste des Bauern JOHANN GRUBER in Gsohl stand, auf den Scheibwald ging. Da oben der Nebel außerordentlich dicht und schon Schnee gefallen war, verirrte er sich und wurde sechs Tage später unweit des Gipfels der sogenannten Lechnerin (Scheibwaldhöhe) erfroren aufgefunden. Knapp zwei Monate später, am 17. September 1844 fiel der Kloster-Untertan JAKOB HADLER, 40 Jahre alt, beim Holzbringen von der Weißwand (im oberen Wolfstal) 48 Klafter tief gegen Kaiserbrunn ab; die Leiche war furchtbar entstellt, als sie nach Payerbach getragen und daselbst bestattet wurde.

Soweit sich feststellen läßt, dürfte der 33jährige Kaufmann AUGUST SCHRÖCKENFUX aus Wien der erste Tourist gewesen sein, der auf der Rax tödlich verunglückte. Er übernachtete mit seinen beiden älteren Begleitern vom 2. zum 3. September 1856 im Gasthof "Unterer Eggl" in der Prein. Um 10 Uhr vormittag wurde bei schönstem Wetter der Aufstieg auf die Rax unternommen, aber um 5 Uhr nachmittags überraschte ein furchtbarer Schneesturm die Gesellschaft. Schröckenfux konnte nicht mehr weiter und brach erschöpft zusammen. Seine Begleiter rieben ihn mit Schnee ab und legten ihn zwischen die Zerben. Er war unfähig sich zu erheben und mußte erfrieren, während seine Begleiter mit größter Anstrengung ihr eigenes Leben in Sicherheit brachten und die Wirtsleute in der Prein von dem Unfall verständigten. Drei Tage danach wurde SCHRÖCKENFUX an der gleichen Stelle, wo man ihn allein zurückgelassen hatte, als Leiche aufgefunden. An diesen Unglücksfall erinnert heute noch das Schröckenfux-Kreuz in der Nähe der Preinerwand.

Danach dürfte es längere Zeit auf der Rax ruhig gewesen sein. Erst am 4. August 1872 kam es wieder zu einem Unglück. Der 33 jährige BARTHOLOMÄUS HIEDEN stürzte bei der Maiser Schafhalt tödlich ab. All diese aufgezeigten Unfälle ereigneten sich noch vor der Existenz eines größeren Schutzhauses auf der Rax.

Im Jahre 1878 erbaute der Österreichischen Touristenklub am Wetterkogel das Karl Ludwig-Haus, das erste größere Schutzhaus auf der Rax. Der erster Hüttenpächter war HERMANN PEHOFER aus Naßwald. Er hatte eine bildhübsche Nichte, HENRIETTE KAIN. Das achtzehnjährige Mädchen, Kain Jetty genannt, ging am 7. Dezember 1879 mit ihrem Verehrer, JUSTUS POSCH, ebenfalls aus Naßwald, vom Schutzhaus fort, um zu wildern. Sie jagte einer Gemse nach und stürzte bei oder von der Preinerwand ab, wahrscheinlich mit einer Wächte. Der Begleiter konnte noch nachts das Bauernhaus Leistentritt in der Grießleiten erreichen, doch mußte er am nächsten Morgen ins Spital gebracht werden, wo ihm beide "Fußschaufeln" amputiert wurden. Die Leiche der JETTY KAIN wurde erst am 9. Dezember vom Bergführer DANIEL INNTHALER gefunden und geborgen.

Nun kam es in verschiedenen Zeitabständen zu tödlichen Abstürzen, unter denen der aufsehenerregendste der des 29 jährigen DR. ROBERT KANITZ vom Steig durch die Teufelsbadstube war (25. März 1889). Am 27. Juli 1892 stürzten die beiden Freunde FRANZ PODGORSKY und RUDOLF STÖLZLE vom Wilden Gaisloch ab, und am 9. Juni 1893 fand LUDWIG BUXBAUM, der in der Nähe des Otto-Schutzhauses "Gamsveigerl" suchen wollte, bei den Felsen beim Törl den Tod.

Winterliche Wetterkatastrophen ereilten am 13. Feber 1893 auf dem Raxplateau, in der Nähe des Bißkogels, GEORG KRÜGER (Begleiter RICHARD SCHEIBE) sowie am 26. Dezember 1893 HANS DAINZER und RUDOLF LISCHKE zwischen Loswiese und Hoher Kanzel. Für alle drei wurden Gedenkkreuze auf der Raxhochfläche errichtet.

THEODOR HUTTENEGGER, der Nestor des Skimuseums in Mürzzuschlag und Zeitzeuge der damaligen Verhältnisse, schreibt, daß die Bergung der Verunglückten bisher in erster Linie Sache von Bergführern und Hüttenpächtern war, zweitens von Gendarmen und Ortspolizisten, und drittens, und zwar hauptsächlich, von Freiwilligen, und da besonders von Alpinisten, Forstleuten und Holzknechten. Erstere waren viel zu wenig und meistens vom Unfallort weit entfernt, die zweiten vielfach garnicht, die letzteren gewöhnlich nur unvollkommen mit den Gefahren des Gebirges vertraut, und so blieb jede Rettung eine fragliche Sache.

So wandte man sich eben meistens an die Herren der AV-Sektion Reichenau. In den Annalen des Vereines kann man lesen, daß einige Mitglieder für die Mitwirkung bei einer Suche am Feuchter nach einem Angehörigen des Kaiserhauses mit einer "goldenen Busennadel" bedacht wurden. Anderseits stellten am 7. Dezember 1895 Herr RETLER und Herr LETTER bei der Hauptversammlung der Sektion Reichenau den Antrag, eine zerlegbare Tragbahre für das Otto-Haus anzuschaffen, um bei Unglücksfällen in den Bergen wirkungsvoller helfen zu können.

So kam der 8. März 1896, an dem es zur tragischen Katastrophe am Reißtalersteig kam und in deren Folge die Männer der Sektion Reichenau des DuOeAV den Entschluß faßten, in Zukunft bei allen alpinen Unfällen helfend einzugreifen.

Österreichischer Bergrettungsdienst, Ortsstelle Reichenau
Hauptstraße 30a
2651  Reichenau
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