Die Kronprinz-Rudolf-Bahn

Eröffnungen:1872 bis 1879
Übernahme:1. Januar 1880 / Januar 1884 durch die k. k. österreichischen Staatsbahnen
Hauptstrecke:Amstetten / St. Valentin - Kleinreifling - Hieflau - Selzthal
Selzthal - St. Michael - Leoben (Anschluß an die Südbahn)
Leoben - Knittelfeld - Judenburg - Friesach - St. Veit/Glan - Villach - Tarvis
Tarvis - Aßling - Laibach (Anschluß an die Südbahn)
Nebenstrecken:Schärding - Attnang-Puchheim - Gmunden - Ischl - Stainach-Irdning
Hieflau - Eisenerz
St. Veit - Klagenfurt
Launsdorf - Hüttenberg

Die KRB schloß bedeutende Lücken im Bahnnetz und hatte mehrfach Anschluß an die Süd- bzw. Kaiserin-Elisabeth-Bahn. Diese Schließung der Lücken hatte das Konsortium unter Vorsitz des Grafen Colloredo Mansfeld auch bewogen, um die Konzessionierung einzureichen, die am 11. November 1866 erteilt wurde - am Tag der Konzessionsverleihung der Kaiser-Franz-Josefs-Bahn. Durch die Linienführung der Kronprinz-Rudolf-Bahn war es jedenfalls möglich' die oberösterreichischen und steirischen Industriegebiete an die bereits vorhandenen Linien der Monarchie anzuschließen, ihnen also neue Impulse zu geben. Die Konzession für die Stichbahn Hieflau-Eisenerz wurde erst am 23. Juli 1871 erteilt; und das, obwohl sie zu den wichtigsten Strecken der gesamten KRB gehören sollte. Diese Strecke beeinflußte die Verlegung der KRB Trasse entscheidend: sie wurde nicht von Admont direkt nach St. Valentin verlegt, was bau- und betriebstechnisch zweifellos vorteilhafter gewesen wäre, sondern durch das landschaftlich wunderschöne, wildromantische Gesäuse - um eben den Anschluß in Hieflau an die wichtige Bahn zum Erzberg zu ermöglichen.

Die Innerberger Hauptgewerkschaft, eine für den Erzberg und sein Gebiet zuständige Bergbaubehörde, drang mit allem Nachdruck auf den Bahnbau; sie wollte ihn unter Umständen sogar selbst finanzieren, um den Transport ihrer Erzeugnisse zu gewährleisten. Nun, die KRB erhielt dann doch die Konzession, und zwar unter der Auflage, die Versorgung der Hochofenanlage in Hieflau (die der genannten Gewerkschaft gehörte) sicherzustellen. Einer der schwierigsten Teile des Bahnbaus war die notwendig gewordene Anlage des Verschubbahnhofs in Hieflau, dessen Grundfläche teilweise aus dem Fels herausgesprengt werden mußte. Zuletzt wurde die Strecke Schärding - Attnang-Puchheim - Gmunden - Ischl - Stainach-Irdning (Ennstal) in Angriff genommen, wobei der Teil zwischen Attnang-Puchheim und Stainach-Irdning als "Salzkammergutbahn" bekannt wurde - die allerdings nicht zu verwechseln ist mit der später berühmten, schmalspurigen Salzkammergut-Lokalbahn - der sogenannten "Ischlerbahn" -  zwischen Salzburg und Bad Ischl.

Betrieblich gesehen gab es bei der Kronprinz-Rudolf-Bahn besonders im Winter oft erhebliche Schwierigkeiten: Wenn vom Tamischbachturm (Gesäuse) Lawinen herunterdonnerten und die Strecke verlegten, bedeutete das zusätzliche Härten für das Personal: die Strecke mußte dann wieder freigelegt und der Fahrbetrieb aufrechterhalten werden.

Die kurze Strecke durch das Kanaltal zwischen Tarvis und Pontafel-Pontebba, der Grenzstation gegen Italien, wurde zwar von der k. k. Staatsbahn errichtet, doch in den Monaten November und Dezember 1879 von der KRB betrieben. Bereits ab 1. Januar 1880 wurde die gesamte 797 Kilometer lange Strecke der KRB von der k. k. Staatsbahn übernommen, allerdings noch auf Rechnung der weiterhin existierenden Kronprinz-Rudolf-Bahn. Ins Staatseigentum ging sie am Januar 1884 über.

Während der relativ kurzen Zeit ihres Bestehens wurden von der KRB laut Statistik 114 Lokomotiven beschafft, davon waren sieben für die Strecke zwischen Tarvis und Pontafel bestimmt; C-gekuppelte Schlepptender- und Tenderlokomotiven für Rangier- und Güterzugsdienst sowie 2B Maschinen für den Personen und Schnellzugsdienst. Allesamt wurden sie von den k. k. Staatsbahnen übernommen.

Nach der Verstaatlichung der KRB wurde der Name "Kronprinz-Rudolf-Bahn" auch im Volksmund immer weniger gebräuchlich, was vielleicht den höchsten und allerhöchsten Stellen nach dem tragischen und geheimnisumwitterten Tod Rudolfs gar nicht unangenehm war. Die Fortsetzung der Streckenführung von Stainach-Irdning über Schladming und Radstadt nach Bischofshofen sowie die Strecke Salzburg - Wörgl sollte ursprünglich "Gisela-Bahn" genannt werden (Erzherzogin Gisela war die Tochter des Kaiserpaares und Schwester des Kronprinzen), doch kam es offiziell nie zu dieser Namensgebung: sie ist heute fast nur mehr Eisenbahnhistorikern geläufig. Es scheint uns heute fast unglaublich, daß die Züge der k. k. Staatsbahnen nach Italien (um die Südbahn zu vermeiden) ab Wien-Westbahnhof und durchs Gesäuse fuhren...