Ausblick

Mit freundlicher Genehmigung von Hofrat Dipl. lng. Richard Rotter

Elektrische Triebfahrzeuge der Zukunft werden noch größeren Anforderungen entsprechen müssen, um die Konkurrenzfähigkeit der Eisenbahnen gegenüber anderen Verkehrsträgern behaupten zu können. Wie stellt sich dieses Problem für die ÖBB dar?
Einige Worte zur Klarstellung: Eine Studie über ein Hochleistungsnetz darf nicht mit der eines Hochgeschwindigkeitsnetzes verwechselt werden. Ein Hochleistungsnetz muß nicht nur in der Lage sein, auf geländemäßig geeigneten Strecken einen sehr schnellen Reiseverkehr abzuwickeln, sondern es müssen auch schwere Güterzüge auf allen wichtigen Hauptstrecken rasch befördert werden können. Kommen doch mehr als zwei Drittel der Verkehrseinnahmen vom Güterverkehrssektor. Betreffend die Fahrgeschwindigkeiten ist auf konkrete Vorstellungen der DB zu verweisen. Das künftige IC-Netz wird über drei Streckenklassen verfügen' die maximal mit 160 km/h, 200 km/h und darüber ihre Grenzgeschwindigkeit haben. Damit auch in Zukunft der grenzüberschreitende Triebfahrzeugeinsatz beibehalten werden kann, wurden von der ÖBB Lokomotiven - die 1012er - gebaut, die problemlos eine Streckengeschwindigkeit von 200 km/h bewältigen. Die Leistung liegt über der 1044 mit ca. 6.000 kW.
Einsatzmäßig wird neben Schnellzügen auch die Beförderung schwerer Güterzüge auf Rampen erforderlich sein. Schließlich wurde auch ein Zweisystemfahrzeug  - die 1014 - ausgeführt, um wie schon erwähnt - auch auf östliche Nachbarländer übergehen zu können. Dem damit grob umrissenen Anforderungsprofil drängt sich die Drehstromtechnik auf. Die ÖBB haben deshalb den gewiß nicht ganz einfachen Schritt in die Drehstromhochleistungstechnik vorgenommen. Die erwähnten Versuchsträger haben dabei als innovative Entscheidungshilfen mitgewirkt.
Desweiteren erfolgte im Frühjahr 1998 der Auftrag zum Bau der neuen Hochleistungslokomotive "Taurus" I und II als neue Standardlokomotive für die ÖBB. Diese Lokomotive verfügt über eine Spitzenleistung von 7000 kW und eine Höchstgeschwindigkeit von 230 km/h.
Hochgeschwindigkeitstriebzüge dürfen ein ferneres Zukunftsproblem sein. Angesichts der großen Entwicklungskosten in wenigen hochindustrialisierten Ländern erscheint eine eigene Entwicklung dzt. nicht opportun. Das Know-how anderer Länder müßte als Richtlinie für derartige Züge in Erwägung gezogen werden.
Für den anspruchsvollen Verschub- und Überstellbetrieb werden die Reihen 1063 und 1064 in unveränderter Form noch längere Zeit im Lieferprogramm stehen.
Schließlich ist eine Modernisierung des Triebfahrzeugparks der Mariazellerbahn erfolgt, wobei auch hier innovative Komponenten mit eingebracht wurden.
Den Ausführungen ist zu entnehmen, daß auch der Bau elektrischer Lokomotiven in Österreich Weltgeltung erworben hat. Die ÖBB verfügen heute über einen überdurchschnittlich modernen elektrischen Triebfahrzeugpark, der in den geplanten Zukunftsentwicklungen erfolgreich fortgesetzt werden wird. Es ist daher abschließend zu wünschen, daß durch die permanente Verbesserung des Verkehrsangebotes durch entsprechende Lokomotiven, Triebwagen und Triebzüge ein immer größerer Kundenkreis der Schiene zugeführt und damit auch eine optimale verkehrswirtschaftliche Nutzung voll wirksam werden kann.